„Wir sind bunt!“ – und dann?

Am Dienstag, 27.01.2026 ging es in unserer Aula in der Hinrichsenstraße 35 um ein Thema, das oft schnell beklatscht wird – aber selten wirklich durchdacht: Diversität. Mit ihrem Vortrag „‚Wir sind bunt!‘ ist gut … aber da geht mehr!: Diversity. Dominanz. Diskriminierung.“ hat Anna Cardinal den Finger genau in diese Lücke gelegt: Zwischen gut gemeinter Haltung und echter Veränderung klafft im Alltag oft ein ziemlich großes Stück Realität.

An der BS05 erleben wir jeden Tag, wie unterschiedlich Menschen sein können: in Herkunft, Lebensweise, Religion, Sprache, Geschlechterrollen, Biografien. Diese Vielfalt ist längst Normalität – aber wie gehen wir kompetent damit um?

Anna Cardinal machte deutlich: Diversity ist nicht nur ein freundlicher Sammelbegriff für „alle sind willkommen“. Perspektivenvielfalt kann enorm produktiv sein – gerade dort, wo Menschen zusammen lernen und arbeiten. Heterogene Gruppen denken breiter, finden oft bessere Lösungen und sehen blinde Flecken schneller. Aber: Dieses Potenzial entfaltet sich nur dann, wenn Vielfalt nicht nur sichtbar, sondern auch strukturell ernst genommen wird.

Besonders eindrücklich war die konsequente Klarheit, mit der Cardinal die „unangenehmen“ Begriffe auf den Tisch legte: Dominanz und Diskriminierung. Denn solange wir nur über „Buntsein“ reden, bleiben die Machtfragen im Hintergrund: Wer gilt als Norm? Wer muss sich erklären? Wer wird schneller unterbrochen, seltener ernst genommen, häufiger kontrolliert oder unterschätzt?

Ein Schwerpunkt lag auf Privilegien – nicht als Vorwurf, sondern als Einladung zur Reflexion. Privilegien sind oft unsichtbar für diejenigen, die sie haben. Genau deshalb lohnt sich der Blick darauf: Wenn wir erkennen, wo Menschen durch Strukturen benachteiligt werden, können wir daran arbeiten, dass Teilhabe nicht vom Zufall abhängt.

In der anschließenden Fragerunde an den Vortrag wurde spürbar, dass der Vortrag etwas ausgelöst hat. Zwar wurden nicht viele Fragen gestellt, da es auch ein sehr persönliches Thema ist, aber viele Schülerinnen und Schüler waren sichtlich nachdenklich gestimmt: Diversity ist kein Thema zum Abhaken, sondern eins zum Weiterdenken.

Auch wenn Diversity nicht immer ein Wohlfühlthema ist, war es eine notwendige Erinnerung daran, dass Vielfalt nicht mit einem Slogan beginnt – sondern mit Haltung, Sprache, Reflexion und Konsequenz.

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2026-02-02T09:33:43+01:002. Februar 2026|

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