Komm klar, Digga: offene Fragen, ehrliche Antworten

Es war ein etwas anderer Vortrag zum Thema Mental Health, der am 3. Juni im Rahmen unserer Mental Health Week in der gut besetzten Aula an der Hinrichsenstraße stattfand. Mit Jonas Shahin war ein Redner zu Gast, der nicht mit Patentlösungen, Checklisten oder den üblichen Buzzwords kam. Stattdessen brachte er etwas mit, das im Schulalltag oft zu kurz kommt: eine ehrliche, direkte und sehr menschliche Sprache für das, was viele junge Menschen innerlich beschäftigt.

Jonas sprach über etwas, das viele junge Menschen kennen, aber viel zu selten offen ansprechen: den Druck, immer besser funktionieren zu müssen.

Zwischen Dopamin-Detox und FOMO, zwischen Selbstoptimierung und Selbstverlust, zwischen KI, Krisen und Katastrophen stellte sich die Frage, die vermutlich viele im Raum nur zu gut kannten: Wie soll man da bitte klarkommen?

Genau an diesem Punkt setzte der Vortrag an. Dabei ging es nicht darum, Probleme kleinzureden oder das Leben in motivierende Kalendersprüche zu übersetzen. Im Fokus standen vielmehr Menschlichkeit, Selbstakzeptanz und der ehrliche Blick auf das, was da ist.

Eine zentrale Botschaft des Vormittags: Das Leben darf herausfordernd sein. Und es ist okay, nicht die ganze Zeit glücklich, produktiv und zufrieden zu sein. Gerade darin lag die Stärke dieses Vortrags. Er wollte nichts schönreden. Er war vielmehr ein Aufruf, anzunehmen, dass schwierige Phasen zum Leben gehören – und dass man nicht jede Unsicherheit sofort beseitigen oder bekämpfen muss, sondern sie manchmal einfach zulassen kann.

Besonders hängen geblieben ist der Gedanke, dass das Leben im Hier und Jetzt stattfindet und man sich immer wieder daran erinnern sollte. Denn allzu oft sind die Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Außerdem wurde deutlich, dass es einen Spalt zwischen Reiz und Reaktion gibt – einen kleinen, aber entscheidenden Moment, den man gestalten kann. Nicht immer perfekt, nicht immer souverän, aber bewusst. Frei nach dem Motto: Mentale Stärke kann trainiert werden – jeden Tag.

Dass Jonas Shahin diese Gedanken so glaubwürdig vermitteln konnte, lag auch an seiner Art. Er sprach nicht wie ein Guru, der längst alle Antworten kennt. Eher wie jemand, der selbst noch auf dem Weg ist – und genau deshalb ernst genommen wird.

Auch die anschließende offene Q&A-Runde zeigte, wie sehr der Vortrag einen Nerv getroffen hatte. Schülerinnen und Schüler sprachen dort Probleme und Fragen an, die von Schlaflosigkeit bis hin zu geringem Selbstbewusstsein aufgrund von Sprachbarrieren reichten.

So blieb am Ende kein Maßnahmenkatalog zurück, sondern etwas Wertvolleres: die Erinnerung daran, dass es manchmal schon ein großer Schritt ist, Gefühle ernst zu nehmen, Widersprüche auszuhalten und sich selbst mit etwas mehr Gelassenheit zu begegnen.

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2026-06-03T21:41:00+02:003. Juni 2026|

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